FAQ - Häufig gestellte Fragen

Alle anzeigen / Alle verbergen

Antwort auf/zuklappen

Was ist das Kompetenz- und Forschungszentrum?

Die Einrichtung wurde am 1. Mai 2009 am Institut für den medizinischen Arbeits- und Umweltschutz der Bundeswehr in Berlin in Dienst gestellt. Sie ist Ergebnis der Forderung des Inspekteurs des Sanitätsdienstes nach einem Forschungskonzept Psychische Gesundheit.

Als Fachbereich Psychische Gesundheit leistet es wehrmedizinische Forschungsarbeit rund um das Thema psychische Belastungsfähigkeit. Das Fachpersonal arbeitet eng mit Fachkliniken und Fachgesellschaften zusammen.

Antwort auf/zuklappen

Wie wird die posttraumatische Belastungsstörung definiert und wie grenzt man die PTBS von anderen, durch Stress ausgelösten, psychischen Erkrankungen ab?

Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) findet sich in der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD – 10: F 43.1). Sie entsteht als eine verzögerte Reaktion auf ein außergewöhnlich belastendes Ereingis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer von außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Dieses Ereignis liegt außerhalb der "normalen" menschlichen Erfahrung. Typische Symptome sind in der Folge sogenannte Nachhallerinnerungen (Flashbacks) mit sich aufdrängenden Erinnerungen und Alpträumen sowie die Vermeidung von Situationen, die an das Trauma erinnern.

Andere stressassoziierte psychische Störungen entstehen insbesondere durch chronische Überforderung, also gerade nicht durch ein singuläres Psychotrauma.

Antwort auf/zuklappen

Ist mit bleibenden Schäden zu rechnen?

An eine traumatische Erfahrung wird man sich ein Leben lang erinnern können. Dennoch können die aus einer traumatischen Erfahrung resultierenden psychischen Störungen und Erkrankungen in den meisten Fällen erfolgreich behandelt werden. In wenigen Ausnahmen ist eine Chronifizierung der Erkrankung nicht auszuschließen.

Antwort auf/zuklappen

In welchen Fällen ist professionelle Hilfe angezeigt? Welche Alarmsignale muss man beachten und dann auch ernst nehmen?

Generell gilt: Professionelle Hilfe ist dann angezeigt, wenn die Beschwerden und Symptome besonders stark sind und nicht abklingen. In der Regel klingen die Symptome und Probleme im Verlaufe einiger Wochen ab (Selbstheilungsprozess). Sollte dies nicht der Fall sein, oder aber die Beschwerden und Symptome zunehmen, ist professionelle Hilfe in einer Fachuntersuchungsstelle der Bundeswehr notwendig.

Antwort auf/zuklappen

Wer darf eine Präventivkur beanspruchen?

Präventivkuren können allen Soldatinnen und Soldaten gewährt werden, die an besonderen Auslandseinsätzen teilgenommen haben. Sie sind nicht limitiert.

Antwort auf/zuklappen

Welches Ziel hat eine Präventivkur?

Ziel der Präventivkur ist, mögliche Spätfolgen abzuwehren und damit die Dienstfähigkeit zu erhalten.

Antwort auf/zuklappen

Wo werden Präventivkuren durchgeführt?

Die Bundeswehr kooperiert deutschlandweit mit 16 Fachkliniken. Diese sind in Bad Elster, Bad Lauterberg, Bad Liebenstein, Damp, Feldberg, Freudenstadt, Höchenschwand, Masserberg, Mettlach-Orscholz, Möhnesee, Oberstdorf, Prien, Radolfzell, St. Peter Ording und Seebad Heringsdorf

Antwort auf/zuklappen

Können Reservisten eine Präventivkur beantragen?

Reservisten, die im Status eines Wehrübenden an einem besonderen Auslandseinsatz teilgenommen haben, kann - unter den gleichen Voraussetzungen aktiver Soldaten - eine Präventivkur gewährt werden. Hierfür sind Wehrübungstage bereit zu stellen.

Antwort auf/zuklappen

Wer verschreibt eine Präventivkur?

Auf Wunsch des Soldaten und eigener Erkenntnisse schlägt der Disziplinarvorgesetzte Soldaten für eine Präventivkur vor. Der Truppenarzt berät den Vorgesetzten und stellt den Antrag, der im Sanitätsamt der Bundeswehr geprüft und genehmigt wird. Der Kurort richtet sich nach freien Kapazitäten der Kliniken. Persönliche Wünsche können nur bedingt berücksichtigt werden. Der Kuraufenthalt ist auf 21 Tage begrenzt.

Antwort auf/zuklappen

Welche Voraussetzungen müssen für die Beanspruchung einer Präventivkur erfüllt sein?

Eine Präventivkur soll in unmittelbarem Zusammenhang mit dem belastenden Ereignis stattfinden. Sie ist innerhalb von sechs Monaten nach Rückkehr aus dem Einsatz abzuschließen.

Alle Besonderheiten der Einsätze, die zu einer extremen psychischen Belastung führen können, werden für die Auswahl berücksichtigt.

Antwort auf/zuklappen

Was kann man tun, um die Belastungen zu bewältigen?

Oberste Priorität ist der einfühlsame Umgang miteinander. Ein Kamerad oder Vorgesetzter des Vertrauens können gute Ansprechpartner für einen ersten Rat oder eine erste Unterstützung sein.

Fühlt man sich körperlich nicht wohl und verschwinden belastende körperliche Symptome nach einer gewissen Zeit nicht, können die Fachkräfte des psychosozialen Netzwerkes am Standort unterstützen.

Bei beginnenden Belastungs- und Anpassungsstörungen ist die Entscheidung zur Inanspruchnahme einer frühzeitig einsetzenden psychotherapeutischen Behandlung oder einer Psychotraumatherapie der erste, wichtigste und entlastendste Schritt für den Betroffenen und seine Familie.

Antwort auf/zuklappen

Woran erkenne ich, dass ich traumatisiert bin? Welches sind typische Beschwerden und Probleme nach solchen einschneidenden Erlebnissen? Welche Belastungen treten auf?

Merkmale und Symptome einer akuten Belastungsstörung können sehr vielfältig und unterschiedlich sein. Nicht immer treten alle der folgenden Symptome auf: Schlafstörungen, Alpträume, Konzentrationsschwäche, körperliche Beschwerden (wie z. B. heftige Muskelverspannungen, Kopfschmerzen) Schwierigkeit, wie bisher zu fühlen oder Dinge in der Umgebung richtig wahrzunehmen, wie betäubt sein.

Das Ereignis wird spontan und unkontrollierbar in der Vorstellung wieder erlebt werden. Man fühlt sich so, als ob man sich noch immer in der bedrohlichen Situation befindet, erlebt erneut Ängste und Panik.

Die Lebensfreude kann verringert sein, der Kontakt mit anderen Menschen, Freunden oder Partner kann beeinträchtigt sein. Manche Menschen ziehen sich zurück, verschließen sich, wirken teilnahmslos, können nicht über das Erlebte sprechen.

Die betroffene Person kann evtl. den Alltag nicht mehr wie früher bewältigen, ist evtl. nicht mehr arbeitsfähig. Manchmal treten die Symptome erst mit einer Verzögerung von Wochen oder gar Monaten (8-10 Monate) auf.

Antwort auf/zuklappen

Besteht ein Wehrdienstbeschädigungs-Anspruch bei "Verletzung" der Seele?

Wer einen gesundheitlichen Schaden erleidet, für dessen Folgen die Gemeinschaft in besonderer Weise einsteht, hat Anspruch auf Versorgung, ganz gleich, ob eine körperliche oder seelische Schädigung vorliegt.

Antwort auf/zuklappen

Was bedeutet das Einsatz-Weiterverwendungsgesetz (EinsatzWVG)?

Das EinsatzWVG hat zum Ziel, Soldatinnen oder Soldaten nach einem Einsatzunfall durch Qualifizierungsmaßnahmen, Versorgungsleistungen oder Weiterverwendung in einem Dienstverhältnis besonderer Art abzusichern. Weitere Auskünfte erteilt der Sozialberater.

Antwort auf/zuklappen

Gibt es eine 24-Stunden Hotline?

Ja, seit März 2009 gibt es mit der Nummer 0800 588 7957 eine bundesweit einheitliche Telefon-Hotline.
Darüber hinaus sichert der ärztliche Bereitschaftsdienst eine grundsätzliche Erreichbarkeit außerhalb der Kernarbeitszeiten.

Antwort auf/zuklappen

Was ist eine Recreation-Maßnahme?

Die Recreation-Maßnahme ist eine dreitägige Kurzerholung in einem einsatznahen Raum, für Soldatinnen und Soldaten mit extremen psychischen Belastungen. Sie dient der systematischen Regeneration und psychischen Stabilisierung.

Antwort auf/zuklappen

Wo werden Psychotherapien durchgeführt?

In Abhängigkeit von der Erkrankung und den persönlichen Umständen des Betroffenen werden Psychotherapien sowohl ambulant als auch stationär in militärischen und zivilen Einrichtungen durchgeführt. Grundsätzlich wird wegen der fachlichen Kompetenz auf dem Gebiet einsatzbedingter psychischer Erkrankungen die Diagnostik in den Bundeswehrkrankenhäusern durchgeführt.

Die Betreuung psychisch schwer traumatisierter Soldatinnen und Soldaten aus den Einsätzen erfolgt grundsätzlich an den Bundeswehrkrankenhäusern. An allen Bundeswehrkrankenhäusern wurde die Fähigkeit zur psychotraumatologisch orientierten ambulanten oder stationären Psychotherapie verstärkt; der bisherige Schwerpunkt zur PTBS-Behandlung wurde am Bundeswehrkrankenhaus Hamburg ausgebaut.

Antwort auf/zuklappen

Was macht ein Peer?

Peers werden bei Kriseninterventionsmaßnahmen eingesetzt und unterstützen die Leiterin/den Leiter eines Krisen Interventions Team kurz KIT in folgenden Einsatzfeldern:

  • Akuteinsatz im Rahmen der Soforthilfe nach kritischen Ereignissen,
  • Erstgespräche mit Betroffenen/Gruppengespräche zur Stabilisierung bei unmittelbarem Bezug zum Ereignis,
  • Vorbereitung/Organisation des KIT-Einsatzes,
  • Mitarbeit im KIT auf Weisung der Leiterin/des Leiters (z. B. Bedarfsermittlung, Einzelgespräche, Gruppengespräche).
Antwort auf/zuklappen

Wenn ich Probleme nach dem Einsatz habe, was kann ich tun?

Der überwiegende Teil der Soldatinnen und Soldaten sucht zunächst die Unterstützung von Personen ihres Vertrauens, in der Regel Kameraden oder Familienangehörige sowie Vorgesetzte. Darüber hinaus können Mitarbeiter des Psychosozialen Netzwerkes (PSN) jederzeit angesprochen werden, die bei Bedarf weiterführende Hilfe vermitteln können.

Antwort auf/zuklappen

Muss ich in jedem Fall an einem Einsatznachbereitungsseminar teilnehmen?

Es besteht eine grundsätzliche Pflicht zur Teilnahme am Einsatznachbereitungsseminar. Die Planung und Durchführung dieser Seminare ist Aufgabe der Truppe. Einzelfallregelungen sind auf dem Dienstweg zu prüfen und zu entscheiden.

Antwort auf/zuklappen

Ich bin Reservist, an wen kann ich mich wenden?

Ein Reservist im aktiven Dienst kann sich an alle Mitarbeiter des PSN wenden. In allen anderen Fällen steht der Sozialdienst der Bundeswehr als erster Ansprechpartner zur Verfügung.

Antwort auf/zuklappen

Wie ist das mit der Schweigepflicht geregelt?

Für alle Mitarbeiter des PSN gilt die Schweigepflicht nach § 203 Strafgesetzbuch. Darüber hinaus gilt für die Militärseelsorgerinnen und Militärseelsorger ein besonderes Zeugnisverweigerungsrecht.

Antwort auf/zuklappen

Wie finde ich Zugang zum psychosozialen Netzwerk (PSN)?

Das Psychosoziale Netzwerk ist ein fachlicher Verbund aus Truppenärztin/ Truppenarzt, Truppenpsychologin/ Truppenpsychologe, Sozialarbeiterin/ Sozialarbeiter, Militärseelsorgerin/ Militärseelsorger am Standort. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des PSN können direkt angesprochen werden. Über persönliche Ansprechpartner und Sprechzeiten informiert ein Aushang am "Schwarzen Brett".

Antwort auf/zuklappen

Was ist eine Präventivkurmaßnahme?

Die Präventivkur ist eine Maßnahme der vorbeugenden Gesundheitsfürsorge für Soldatinnen und Soldaten, die im Einsatz besonderen Belastungen ausgesetzt waren. Sie dient der systematischen Regeneration, um besondere Belastungen zu verarbeiten und damit einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) vorzubeugen. Die Präventivkur dauert 21 Tage und wird über Truppenarzt bei SanABw IV 2.3 beantragt.

Die Präventivkuren haben ausschließlich vorbeugenden - also keinen therapeutischen - Charakter. Das Angebot dieser niederschwelligen Kurmaßnahmen soll nur von Soldaten genutzt werden, die keine Symptome einer PTBS aufweisen. Anzeichen einer psychischen Störung oder Erkrankung sind ein Ausschlusskriterium für die Teilnahme an diesen Kuren. Entwickelt ein Soldat Anzeichen einer PTBS, ist die Präventivkur abzubrechen und der Soldat einer geeigneten Behandlungseinrichtung zuzuführen.

Antwort auf/zuklappen

Wie lange dauert die durchschnittliche Behandlungszeit einer posttraumatischen Belastungsstörung?

Die Dauer einer stationären Behandlung liegt in der Regel zwischen 8 und 12 Wochen. Eine maximale Therapiezeit kann nach derzeitigem Wissensstand nicht genau vorhergesagt werden. Manchmal ist es erforderlich, Patienten auch mehrere Male für einen Behandlungszyklus von jeweils 8 bis 12 Wochen stationär aufzunehmen.

Antwort auf/zuklappen

Wo bekomme ich Hilfe?

In unserem Bereich Service finden Sie eine Übersicht mit Ansprechstellen...