Wie entsteht PTBS?

Die Entstehung einer Posttraumatischen Belastungsstörungen - PTBS

Not und Elend im Einsatz

Auch die Bundeswehrsoldaten werden mit den Auswirkungen von Krieg und Gewalt, Terroranschlägen mit Leichen und Verstümmlungen, Chaos und Zerstörung, unklaren Konfliktlagen, eventueller Gefangenschaft, fremden Kulturen, langdauernder Trennung von Zuhause, dienstlicher Überforderung aber auch Langeweile und Unterforderung konfrontiert. Zusätzlich belastend sind die Fragen nach dem Sinn des Einsatzes und das Gefühl totaler Hilflosigkeit gegenüber Not und Elend im Einsatzland.

Der gesellschaftliche Auftrag des humanitären Einsatzes und die persönliche Motivation, helfen zu wollen, stehen mitunter im deutlichen Gegensatz zur Einstellung und Haltung der Bevölkerung in den Hilfsgebieten. Die Soldaten werden mitunter als Besatzer gesehen oder geraten zwischen die Fronten rivalisierender Gruppen. Sie setzen dabei ihr eigenes Leben oder ihre Gesundheit aufs Spiel, ohne positive Auswirkungen des Einsatzes erleben zu können.

Medizinisch psychologische Versorgung

Schon von Anbeginn der Auslandseinsätze an hat man sich im Sanitätsdienst und im Psychologischen Dienst der Bundeswehr Gedanken darüber gemacht, wie man in der Einsatzvorbereitung präventiv wirken kann, wie man die Einsätze sinnvoll begleiten kann und wie die Nachbetreuung nach den Einsätzen aussehen muss. Wichtige Elemente hinsichtlich Prävention betreffen die Personalauslese, wobei nicht nur körperliche Fitness, intellektuelle Leistungsfähigkeit, sondern auch psychische Belastbarkeit und soziale Kompetenz beurteilt werden müssen. Im Bereich der Ausbildung ist nicht nur die realitätsnahe Truppenausbildung von Bedeutung, sondern auch der Hinweis darauf, wie der Einzelne auf äußere Stressoren reagiert, wie er Stresssymptome an sich erkennt und notwendige Entspannungsmöglichkeiten nutzen kann.

In der Einsatzdurchführung können bei besonders belastenden Ereignissen geeignete Maßnahmen der Krisenintervention wie zum Beispiel Einzelgespräche, Gruppengespräche oder modifiziertes „Critical Incident Stress Debriefing” (CISD) nach Mitchell und Everly eingeleitet werden. Dieses soll zur Normalisierung und Entaktualisierung und damit Abmilderung der akuten Belastungsreaktionen und schnellen Rückkehr zur Homöostase dienen. Die Durchführung obliegt dem Fachpersonal vor Ort (Truppenpsychologen, Psychiatern, Militärseelsorge), das dabei von Peers (in Techniken der Krisenintervention ausgebildeten Soldaten) unterstützt wird.

Sorge um die Lieben daheim

Nicht zu unterschätzen ist die Bedeutung der Familienbetreuung im Heimatland, da auch die Angehörigen zuhause eine große Last tragen. Durch die Allgegenwart der modernen Kommunikationsmedien werden Nachrichten über Zwischenfälle und Gefährdungen bis in die Familien getragen. Angst und Sorge treten auf und belasten die Familien. Nicht zuletzt sind es die Kinder, die reagieren, wenn der Vater oder die Mutter über lange Zeit nicht anwesend sind. Durch Telefonate wird diese Sorge wieder in den Einsatz zurückgebracht und führt dort bei den betreffenden Soldaten zu Beunruhigung und dem Gefühl, die Familie im Stich zu lassen.

In der letzten Phase, nach der Rückkehr aus dem Einsatz, stehen im Mittelpunkt das Wiedereingewöhnen in das private und dienstliche Umfeld sowie das Erkennen und Behandeln möglicher Folgeschäden, nicht nur im körperlichen, sondern auch im seelischen Bereich. Dazu werden von den Truppenärzten Rückkehreruntersuchungen durchgeführt, bei denen den Soldaten auch ein spezifischer Fragebogen, der sich mit möglichen Einsatzbelastungen auseinandersetzt, vorgelegt wird.

Ein Kurzurlaub nach Einsatzende soll die Wiedereingewöhnung erleichtern, ehe die Soldaten in ihren Gruppen an Einsatznachbereitungsseminaren einige Wochen nach Rückkehr teilnehmen. Wenn Truppenteile besonderen Belastungen ausgesetzt waren, können für diese gesonderte Kriseninterventionsmaßnahmen nach der Rückkehr durchgeführt werden.