Was ist PTBS?

Wenn der Schrecken bleibt

Vom Umgang mit Posttraumatischen Belastungsstörungen - PTBS

"Es entbehrt jeder Normalität, mit einem Soldaten im Friedenseinsatz verheiratet zu sein oder ihn zum Vater zu haben. Seit dem Ende des Kalten Krieges haben sich Tempo und Komplexität der Missionen, zu denen die Soldaten unserer Streitkräfte abkommandiert werden, so sehr verändert, dass viele Ehen daran zerbrochen sind. Das Familienglück von Friedenshütern ist einer schier unerträglichen Belastungsprobe ausgesetzt."

Das Trauma

Ein psychisches Trauma wird als ein tiefgreifendes Erlebnis definiert, das den Rahmen üblicher, bisher gemachter Erfahrungen sprengt und die biologischen und psychischen Bewältigungsmechanismen des menschlichen Gehirns überfordert. Traumatische Ereignisse beinhalten Bedrohungen des Lebens und der körperlichen Unversehrtheit, versetzen die Betroffenen in extreme Hilflosigkeit und Angst und gehen mit dem Gefühl extremer Ohnmacht einher. Häufig entwickeln die Opfer schwere psychische Störungen, von denen das bekannteste Krankheitsbild die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist.

Die klinischen Erfahrungen haben gezeigt, dass es nach dem Erleben eines Traumas außerordentlich wichtig ist, die Betroffenen klar und detailliert über mögliche posttraumatische Reaktionen zu informieren. Durch die Erklärung des Krankheitsbildes und Aufklärung darüber, was getan oder vermieden werden sollte, werden die Opfer in die Lage versetzt, das schreckliche Erlebnis besser zu verarbeiten. Es ist dabei genauso wichtig, auch Familienangehörige und Freunde über das Störungsbild aufzuklären. Durch das Wissen über die Folgen der Erkrankung, um möglicherweise auftretende Spannungen und Konflikte in den persönlichen Beziehungen, sind Angehörige besser in der Lage, Traumatisierte zu verstehen und angemessen auf ihr Verhalten zu reagieren.

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Militärische Einsätze

Im politischen Szenario sind "harmlose" Friedensmissionen nicht mehr scharf von eindeutig bewaffneten Auseinandersetzungen trennbar. Dies und die Strategie der asymmetrischen Kriegsführung mit zunehmenden terroristischen Aktionen wie Selbstmordattentaten, Angriffen gegen einheimische Zivilisten und Soldaten, ausländische Truppen und internationale Hilfsorganisationen erschweren die Orientierung für die Soldaten und auch die betroffene Zivilbevölkerung.

Beim Erleben kurzfristiger oder länger dauernder Extremsituationen mit eigener Bedrohung wird die Fähigkeit der Soldaten zur Verarbeitung der Belastungen und zur Wiederanpassung an die Gegebenheiten im Heimatland oft überfordert. Derart intensive, überwältigende und desorganisierende Erfahrungen zerstören bisweilen Orientierung und haltgebende Selbst- und Weltbilder. In der Folge kommt es unter Umständen zur Entwicklung psychischer Störungen, die direkt nach den Einsätzen oder nicht selten auch verzögert auftreten und mitunter erst dann auffällig werden, wenn der Einsatz oder das schädigende Ereignis längst vorbei ist oder der Betroffene eventuell schon lange kein Soldat mehr ist.

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