Informationen für Vorgesetzte

Wenn Sie als Vorgesetzte oder Vorgesetzter die Sorge oder Vermutung haben, dass Ihre Untergebenen mit (psychischen) Schädigungen aus dem Einsatz zurückgekehrt sind, haben Sie es mit vielfältigen Herausforderungen zu tun:
• Sie sind zur Fürsorge verpflichtet und dürfen den betroffenen Untergebenen in keiner Weise schaden: Sowohl zu langes Zögern als auch voreiliges Handeln können sich nachteilig auswirken. Eine Stigmatisierung ist unbedingt zu vermeiden.
• Als erster Schritt einer fachlich begleiteten Orientierung bietet sich ein vertrauensvolles Gespräch mit der Truppenpsychologin oder dem Truppenpsychologen an, um Ihnen als Vorgesetzten Handlungssicherheit im Umgang mit solchen Soldatinnen und Soldaten zu geben.
• Ein direkter Austausch mit der Truppenärztin bzw. dem Truppenarzt ist wegen deren/ dessen Pflicht zur ärztlichen Schweigepflicht nur sehr eingeschränkt möglich.
• Eine unbefangene Frage nach dem Gesundheitszustand des Einsatzrückkehrers an dessen Kameradinnen und Kameraden kann das Personalrecht verletzen.

Umfangreiche Informationen zum „Umgang mit psychisch und/oder physisch Einsatzgeschädigten in der Bundeswehr“  finden Sie im hier verlinkten gleichnamigen Initiates file downloadLeitfaden. Dieser Leitfaden wurde speziell dazu erstellt, auch Vorgesetzten Hilfestellungen zu geben.

Besteht bei den Vorgesetzten eine Vermutung auf Einsatzschädigung, sollte dies mit der Truppenpsychologin oder dem Truppenpsychologen bzw. der Truppenärztin/ dem Truppenarzt erörtert werden. Für eine detaillierte Bewertung und eine Geltendmachung von Ansprüchen ist die Mitwirkung des oder der Vorgesetzten an dem Begutachtungsverfahren gefordert (Näheres im oben genannten Initiates file downloadLeitfaden). Krankschreibungen, konsequente Grenzsetzungen, die Notwendigkeit von Versetzungen, MKF, Waffendienst und Ähnliches sind eng zwischen Vorgesetzten und der Truppenärztin/ dem Truppenarzt abzustimmen, um Betroffene zu führen und ihnen Halt zu geben. Truppenpsychologen beraten Vorgesetzte darin, deren Handlungssicherheit im Umgang mit Voll- oder Teilzeittätigen einsatzgeschädigten Soldatinnen und Soldaten im Dienstalltag – auch im Rahmen eines Wehrdienstverhältnisses besonderer Art – zu erhöhen und bestätigen zu können.
 
Im Falle einer bestätigten Einsatzschädigung ist die personalbearbeitende Dienststelle einzubeziehen. Auf die Beauftragung einer Begutachtung auf „Dienst- und Verwendungsfähigkeit“ sollte zu diesem Zeitpunkt noch verzichtet werden. Stattdessen wird ein erstes direktes, offenes und fürsorgliches Gespräch mit den betroffenen Untergebenen empfohlen. Sie können sich bei Bedarf von den verschiedenen Angehörigen des örtlichen Psychosozialen Netzwerks (PSN) zur Gesprächsführung beraten lassen.
Bitte informieren Sie sich auch unter der Rubrik „Hilfe für Betroffene“ über die Smartphone-App „Coach-PTBS“ und den Onlinetest. Weiter unten werden Hilfsangebote und Ansprechstellen für „aktive Soldatinnen und Soldaten“ vorgestellt, die auch Sie als Vorgesetzte kennen sollten.
Mit der Einsatzschädigung geht häufig auch eine wesentliche Verhaltensänderung der Betroffenen einher. Bleiben Sie in engem Kontakt mit den Betroffenen, um solche Veränderungen frühzeitig zu erkennen und nutzen Sie etablierte Ansprechstellen, wie zum Beispiel die Soldatenselbsthilfe gegen Sucht e.V. oder Lotsinnen und Lotsen für Einsatzgeschädigte. Lassen Sie sich gerne auch durch den Sozialdienst der Bundeswehr beraten oder vom Psychotraumazentrum (PTZ) helfen, wie Sie am besten mit Einsatzgeschädigten umgehen.

Bei akuten psychischen Krisen können Sie rund um die Uhr die Telefonnummer 0800 588 7957 anrufen. Hier ist immer eine Ärztin/ ein Arzt vom Bundeswehrkrankenhaus Berlin für den Betroffenen oder die Betroffene da!