Innere Führung

Konzepte zur Bewältigung

Für die Vorbereitung der Soldaten der Bundeswehr auf den Auslandseinsatz gibt es ein medizinisch-psychologisches Stresskonzept. Der Sanitätsdienst der Bundeswehr und der psychologische Dienst haben dazu gemeinsam ein Programm entwickelt. Das Programm gliedert sich in die Phasen:

  • Vor dem Einsatz,
  • Während des Einsatzes und
  • Nach dem Einsatz.

In Vorbereitung auf einen Auslandseinsatz setzen sich die Soldaten mit zu erwartenden Belastungen auseinander. In den Ausbildungszentren für die Kontingentteilnehmer durchlaufen sie immer wieder verschiedene Einsatzszenarien wie Checkpoint, Patrouillenfahrt oder Hinterhaltsituationen. Diese gehören zur realitätsnahen Ausbildung auf einen bevorstehenden Einsatz. Ergänzt wird die Vorbereitung mit der Einweisung in kulturelle und politische Gegebenheiten im Einsatzland

Das Muss

Jeder Soldat, der in den Einsatz geht, muss die Ausbildung absolvieren. Im Vorfeld der Vorbereitung findet eine Personalauswahl statt.

Ein Soldat sollte fit und emotional stabil für den Auftrag im Einsatz sein. In dieser Phase wird darauf geachtet, dass das innere Gleichgewicht des Soldaten mit Maßnahmen unterstützt und gestärkt wird. Dazu zählt die Hilfe bei organisatorischen und administrativen Maßnahmen zur Minimierung von Belastungen.

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Seminare

Einsatzvorbereitende Seminare beinhalten die Sensibilisierung auf den Umgang mit Stresssituationen. Ausgewählte Kontingentteilnehmer erhalten am Zentrum für Innere Führung die Ausbildung zum Peer.

Sie machen eine zweiwöchige psychologische Erste Hilfe Ausbildung. Im Schwerpunkt geht es um Krisenintervention. Im Einsatz ist es Ziel, dass die Peers nach Extremsituationen die psychologische Erstbetreuung übernehmen, um so die Betroffenen zu stabilisieren. Schließich wirkt unmittelbare Hilfe optimal. Verzögerungen in der Erstbetreuung von Betroffenen können eine nachfolgende Therapie behindern oder erschweren.

Eine weitere Begleitung im Ausland bilden die Kriseninterventionsteams (KITs). Sie setzen sich aus Psychiatern, Psychologen und Militärseelsorgern. Im Einsatz stehen sie für Notfälle bereit. Die KITs leisten Soforthilfe, um Folgeschäden bei den Betroffenen von Krisensituationen zu vermeiden.

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Intensive Nachbereitung

Nach dem Einsatz wird jeder Soldat beim Truppenarzt befragt. Des weiteren können die Rückkehrer in mehrtägigen Seminaren zur Nachbereitung des Einsatzes die Gelegenheit nutzen, um über Erfahrungen und Erlebnisse der Vergangenheit zu sprechen oder diese aufzuarbeiten.

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Psychische Betreuung

Während der drei Phasen des Einsatzes gibt es drei Ebenen der psychischen Betreuung. Die Stufen bilden das Fundament für alle Phasen. Die erste Ebene umfasst die Selbst- und Kameradenhilfe sowie die Hilfe von Vorgesetzten und Peers. In der zweiten Ebene handeln Truppenarzt und Truppenpsychologe. Sie werden durch die Militärseelsorge, den Sozialarbeitern und Peers unterstützt. Psychiater, Ärztlicher- und psychologischer Psychotherapeut bilden die dritte Ebene.

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Netzwerk für Hilfe

Die Bundeswehr hat ein Psycho-Soziales-Netzwerk (PSN) aufgebaut. Das Netzwerk hilft den Soldaten schnell und qualifiziert.

Im PSN sind Truppenärzte, der Psychologische Dienst, die Militärseelsorge und der Sozialdienst der Bundeswehr organisiert. Das Gremium bietet eine breite fachliche Grundlage für seine Hilfstätigkeit. Kompetente Ansprechpartner für die Beratung bei psychischen Problemen werden diskret vermittelt. Militärische Vorgesetze erhalten keine Informationen über Hilfesuchende.

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Author: Thorsten Burger