Betreuung

Zur Betreuung Erkrankter

Die Fürsorge für Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr steht im Mittelpunkt vielfacher Aktivitäten des Bundesministeriums der Verteidigung. Sowohl beim Dienst im Inland als in den Auslandseinsätzen geht es bei der Erfüllung der verschiedensten Aufgaben vor allem darum, Leib und Leben der eingesetzten Soldatinnen und Soldaten zu schützen.

Zu diesem Schutz gehört neben der körperlichen auch die seelische Unversehrheit. Entsprechend den neuen Aufgaben für die Bundeswehr ist in den vergangenen Jahren die Zahl der Auslandseinsätze stetig angestiegen. Immer mehr Soldatinnen und Soldaten verrichten ihren Dienst fern ab von Familien und Freunden.

Gesunde Stressreaktion

Gerade die Auslandseinsätze stellen neue Herausforderungen an sie dar und bringen besondere körperliche und seelische Belastungen mit sich. Darüber ist sich die Führung der Bundeswehr im Klaren. Auf diese besonderen Bedingungen hin sind die militärischen Führer ausgebildet und sensibilisiert.

Immer wieder kommt es im Inland sowie in den Auslandseinsätzen zu traumatisierenden Situationen. Intensität und Häufigkeit psychotraumatisierender Ereignisse haben insbesondere bei dem robuster gewordenen Einsatz in Afghanistan zugenommen. Die darauf folgende - an sich gesunde Stressreaktion auf eine als extreme Belastung erfahrene - Situation kann im weiteren Verlauf zur Entwicklung einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) führen.

Die mittel- und langfristigen Folgen einer solchen PTBS sind unter anderem oftmals Depressionen, Gereiztheit, Verschlossenheit oder auch Suchtprobleme. Je nach Ausmaß der Beschwerden kann dies bis zur Dienstunfähigkeit führen.

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Vernetzt

Seit Beginn der Auslandseinsätze hat die Bundeswehr die Betreuungsmaßnahmen ständig ausgebaut und verbessert. Im Vordergrund steht dabei stets die Prävention, ohne jedoch therapeutische Fähigkeiten zu vernachlässigen. Darüber hinaus wird auch der Wiedereingliederung (Reintegration) der Soldatinnen und Soldaten nach Einsatzrückkehr ein besonderes Gewicht gegeben.

Anstelle einer Hotline für Betroffene ist das Psychosoziale Netzwerk auf Standortebene implementiert. Hierin arbeiten Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter und Seelsorge sowie die Vorgesetzten zusammen. Mit diesem Netzwerk ist ein den Anforderungen entsprechender niedrigschwelliger Zugang zu Hilfsangeboten und Behandlungsmöglichkeiten für Betroffene und Angehörige vorhanden. Darüber hinaus existiert ein anonymes internet-basiertes Beratungsangebot, das aufgrund einer Privatinitiative etabliert wurde und durch einen Facharzt für Psychiatrie der Bundeswehr unterstützt wird.

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Akzeptanz in der Truppe

Seitens des Sanitätsdienstes der Bundeswehr wird die Entwicklung von psychischen Belastungsstörungen einschließlich PTBS-Erkrankungen fortlaufend beobachtet, um ggf. notwendig werdende Anpassungen zeitgerecht vornehmen zu können.

Dazu gehört auch der Ausbau spezifisch wehrmedizinisch relevanter Forschung auf diesem Gebiet und die Intensivierung des Wissens- und Erfahrungstransfers sowohl zivil-militärisch als auch zwischen der Bundeswehr und den Bündnispartnen. Die Behandlung von Soldatinnen und Soldaten mit einer PTBS wurde in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und verbessert. Durch konsequente Information und Aufklärung, insbesondere in der Einsatzvorbereitung sind die Kenntnis und Akzeptanz in der Truppe gestiegen und die Schwelle bei Betroffenen gesunken, sich bei psychischen Problemen zu offenbaren.

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Gezielte Betreuung

Die Streitkräfte werden ihre Bemühungen auch weiterhin auf die Prävention konzentrieren. Wir können besondere und außergewöhnliche psychische Belastungen nicht verhindern, aber wir versuchen durch gezielte Betreuung und Aufarbeitung die Risiken für spätere Erkrankungen zu minimieren.

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Autor: Dr. Niels von Rosenstiel

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